Chancen erkennen

Ein Schweizer bei Google
Interview mit Stefan Betschon, NZZ vom 3.10.2019: Der Schweizer Informatiker und Computerwissenschafter Urs Hölzle (56) arbeitet seit über 20 Jahren bei Google. Als Senior Vice President ist er aktuell für die Weiterentwicklung im Cloud-Computing verantwortlich. Vor 15 Jahren hatte er Google nach Zürich gebracht. Inzwischen ist Zürich der grösste Forschungsstandort von Google ausserhalb des Silicon Valley. Knapp 4000 Leute arbeiten hier für die Firma. Sein Lebensmittelpunkt bleibt jedoch das Silicon Valley, er kommt eigentlich nur noch selten in die Schweiz.

Lernende Maschinen und Datenwolken
Als wichtigste Basisinnovationen, die in jüngster Vergangenheit die Computerwelt verändert haben, nennt Hölzle die «Open-Source-Software», freie Software, die im Quelltext in veränderbarer Form verfügbar ist. Damit verbunden nennt er als zweite Innovation das Cloud-Computing und drittens das Machine-Learning. Er glaubt, dass die Bedeutung von Open-Source-Software durch das Cloud-Computing (Datenwolke) weiter verstärkt wird. In den 1990er Jahren war es so, dass die Wahl eines Hardware-Lieferanten auch die Software-Ausstattung bestimmte. Das ist heute definitiv nicht mehr so. Anthos von Google will die Nutzung von Software als Service, unabhängig von Ort und Gerätetyp, ermöglichen. Machine-Learning wird unseren Alltag in immer grösserem Masse bestimmen. Neben Verkehrssystemen lassen sich damit zukünftig auch Gebäudekomplexe in Sachen Energieeffizienz optimieren.

Chancen erkennen
Seine Assistenzprofessur an der University of California in Santa Barbara hatte Urs Hölzle damals aufgegeben. Aber sein Job bei Google fühlt sich ein bisschen an, als wäre er weiterhin an einer Uni. Google bietet eine intellektuell stimulierende Umgebung. Viele hochqualifizierte Leute arbeiten dort und probieren laufend neue Sachen aus. Es gibt auch mehr Möglichkeiten als an einer Uni, mehr Mitarbeitende, mehr Ressourcen, und vor allem forschen diese an Problemen, welche für die Praxis relevant sind. Hölzle beendete sein Studium an der ETH Zürich vor gut 30 Jahren. Wenig von dem was er damals gelernt hat ist in der heutigen Praxis noch relevant. Aber die Grundlage, die diese Ausbildung schuf, war gut und ermöglicht es ihm, Jahr für Jahr Neues zu lernen.

Erfahrung als bleibender Wert
Lebenslanges Lernen ist eine wichtige Voraussetzung um unseren «Marktwert» zu halten. Seit unserem Lehrabschluss oder den Studienjahren hat sich die Arbeitswelt grundlegend gewandelt. Karrieredenken wurde (für viele) abgelöst durch den Traum von der eigenen Firma oder der Herausforderung wichtige Projekte mitzugestalten. Man ist gewillt auf vieles zu verzichten um seinen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen, arbeitet an seinem Netzwerk und geht Kooperationen mit Gleichgesinnten ein. Für uns «Alte» heisst dies zuhören, offen sein für Neues und dank unserer (Lebens-)Erfahrung dort zu unterstützen wo es angebracht scheint. Auch wenn unser Wissen um die jüngsten technologischen Veränderungen Lücken aufweist, bilden die gemachten Erfahrungen einen bleibenden Wert.

Werner K. Rüegger, dipl. Arch. SIA AIA
Projektadministrator und Initiator kompetenz60plus

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