Interview mit Monika

Warum ist das Alter bloss eine Zahl für Sie?

Mit der Zahl meiner gelebten Jahre ist weder ein Gedanke noch ein Bild verbunden, mit dem ich mich persönlich gemeint fühlen könnte. Ich bin alt, ja. Ich habe viel Lebenserfahrung, ja. Doch die hatte ich schon, als ich 20 war. Den gesamten Kosmos meiner Kindheit trug ich damals schon in mir. Nur war ich so jung nicht in der Lage, was ich erlebt hatte, auf die Reihe zu bekommen. Zu verstehen und zu verdauen erforderte eine ungeheure Anstrengung von mir und ‚frass’ ein paar Jahre meines Lebens. Ich war aber dann immer noch jung, obwohl ich dabei eine tiefgehende Verwandlung durchgemacht hatte, einen Reifeprozess. Die Reifung geht weiter, ist nie abgeschlossen, solange ich wach und aufmerksam durch den Tag gehe.

Das Alter ist in der Gesellschaft mit vielen oberflächlichen Cliches verbunden, die versuchen, uns in einer Kategorie zu erfassen. Gebt’s auf. Ein menschliches Leben ist nicht in eine Statistik zu pressen, jedes Leben ist einzigartig. Ich bin heute, als Seniorin, schlicht weiterhin der Mensch, der seit meiner Geburt aus meinen Augen in die Welt blickt und durch meinen Körper, meine Sinne und mein Denken aufnimmt, fühlt, erlebt, verarbeitet und sich für dies oder das entscheidet.

Was gefällt Ihnen am meisten/wenigsten am Altern?

Widerstand spürte ich an der Tatsache, dass ein staatlicher Mechanismus bestimmt, dass ich in einem bestimmten Moment meines Lebens pensioniert werde. Die vermeintliche Erleichterung, endlich mit Arbeiten aufhören zu können, trifft auf mich nicht zu, und mich in einen unfreiwilligen Ruhestand zu versetzen, ist einfach nicht ein Konzept, das in meinen Lebenslauf und mein Empfinden passt. Ich arbeite gerne, immer noch.

Am besten gefällt mir die Freiheit, die ich heute habe, jeden Tag zu gestalten, und dass der Druck, Geld zu verdienen, nachgelassen hat.

Was möchten Sie der jüngeren Generation als Tipp weitergeben?

Das Glück liegt darin, dass du bei dem, was du im Aussen tust, mit deinem Innersten verbunden bist. Darum mein Tipp: Verbinde dich mit deinem Innersten und folge dem, was du da findest, solltest du dich unglücklich, leer oder orientierungslos fühlen.

Warum wollen Sie weiterhin einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen?

Tätig sein bedeutet lebendig sein. Mir gefällt die Einteilung der Gesellschaft in Alterskategorien nicht. Ich möchte das öffentliche Leben lieber als einen grossen Markt von Angebot und Nachfrage sehen, an dem ich teilnehmen kann, das heisst geben und nehmen – und dadurch integriert sein bis zum Schluss.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würden Sie sich wünschen?

Ich habe irgendwie eine Sehnsucht in mir nach ländlichem Leben, obwohl ich wie die meisten Schweizer städtisches Leben und Kopfarbeit gewohnt bin. Ich würde mir wünschen, dass es Höfe gäbe, also eine moderne Form von landwirtschaftlichen Betrieben auf kooperativer Basis, wo jedermann/jedefrau temporär oder teilzeitlich leben, sich freiwillig engagieren und mitarbeiten könnte, ungeachtet von sozialer Zugehörigkeit, Alter und Herkunft.

Was wollen Sie dem seniors@work Team mitteilen?

Ich danke dem seniors@work Team für diese Plattform und die Möglichkeit, sich auf diese Art neu zu vernetzen. Gibt es vielleicht doch ein Senioren spezifisches Bedürfnis….?

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