Zusammenhalt in der Veränderung

Können Sie das Wort „Corona“ noch hören oder lesen, liebe Leserin, lieber Leser? Oder leiden Sie schon an einer Überdosierung? Ich will es keinesfalls klein reden. Stehe ja selber in der Risikogruppe ein. Mein Verhalten ist angepasst, wir gehen nicht mehr einkaufen, haben keine physischen sozialen Kontakte mehr.

Bei mir persönlich, als gewählte Parlamentarierin, ging das Leben von 100 auf 0. So wird es sein, wenn ich dereinst nicht mehr im Grossen Rat sitze. Ich werde mich damit abfinden, nicht zu jedem Event eingeladen worden zu sein. Aber ich werde mich auch freuen, dass der Sitzungsmarathon sowie die Les- und Schreibarbeit zurück geht und meine Belastung massiv abnimmt, resp. ich mich nur noch auf meine ehrenamtlichen Jobs konzentrieren muss. Daneben wird mein Leben es zulassen, dass wir bei schönem Wetter viele Ausflüge und Spaziergänge machen. In den letzten drei Wochen spazierten wir von zu Hause aus bereits rund rund 75 km. Ob viel oder wenig, ist nicht die Optik. Wir waren draussen, an der Sonne, allein das zählt.

Nun aber hören wir auch jeden Tag Radio SRF und lesen Zeitungen. Es wurde über die steigende Anzahl Arbeitslosen berichtet. Vermehrt werden nicht nur junge Menschen keine Arbeit finden, nein, vielen Arbeitnehmenden ab 50+ wird gekündigt – obwohl die Firmen Kurzarbeit anmelden. Ich kann die wirtschaftlich schwierige Situation der Arbeitgebenden nachvollziehen. Wenn plötzlich sämtliche Einkommen wegbrechen, geht es ums Überleben. Die Versuchung, den älteren Mitarbeitenden zu kündigen, weil sie sowieso die teuersten im Team sind, ist gross. Ich hörte sagen, dass die ja zum Teil relativ nahe an der Pensionierung seien. Ältere Arbeitnehmende würden ja eine Überbrückungsrente erhalten und sowieso, die seien sicher froh…

Klar, junge Arbeitnehmende haben vielleicht eine Familie durchzubringen. Wenn Mann und Frau arbeiten, mag es grad noch so gehen. Aber mit der finanziellen Belastung durch Miete, Krankenkasse, Kita-Kosten etcpp sind junge Familien gefordert wie nie zuvor.Trotzdem bedaure ich es sehr, wenn Firmen ältere Mitarbeitende, welche oft viele Jahre schon im Betrieb mitarbeiten – auf die Strasse stellen müssen. Ich kann nur hoffen, dass sinnvolle Plattformen wie Seniors@Work dazu beitragen werden, auch nach der Corona-Krise Menschen ab Mitte 50 in eine gute Zukunft und eine interessante Arbeit zu vermitteln.

Arroganz, Egoismus und mangelnde Wertschätzung sind in Zeiten wie diesen keine Haltung. Wir müssen zusammenstehen, um die einschneidenden Bestimmungen und Massnahmen nach dem Ende des Lockdowns verarbeiten zu können. Für den Verarbeitungsprozess und den Wiederaufbau der Wirtschaft braucht es ganz bestimmt in den Jobs auch die Älteren, die Erfahrenen, die Expertinnen und Experten. Also liebe Leserin, lieber Leser: Halten Sie durch und bleiben Sie gesund!

Beatrice Isler

2 Kommentare

  1. Honegger

    Vielen Dank, ja “Arroganz, Egoismus und mangelnde Wertschätzung sind in Zeiten wie diesen keine Haltung.” Spricht mir ganz aus der Seele!

  2. Reust

    ..und plötzlich werden wir Senioren ab 65+ zum Risikofaktor.
    Doch nicht nur, dass in der Arbeitswelt die Erfahrung und ja oft auch Weisheit, die die älteren Mitarbeitenden auszeichnen, dem wirtschaftlichen Faktor zum Opfer fallen, nein auch die psychische Gesundheit der Generation 65+ wird vernachlässigt. Die zum Teil spürbare Arroganz und mangelnde Wertschätzung gegenüber älteren Menschen ist nicht nur abwertend sondern kann sehr verletzend sein. Schade, dass das unsolidarische Verhalten einzelner Personen all die positiven Zeichen des Miteinanders unterlaufen.

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